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17.11.2009 | 19:30 Uhr | Autor: Von Markus Drossel

Wie ein Franke die Welt verändern will

Lichtenfelser Erfinder Charly Schorr hat je sechs Patente und Gebrauchsmuster zum Thema Elektroauto angemeldet

Von Markus Drossel

LICHTENFELS - Es ist einer der Tage, an denen „Tausendsassa“ Charly Schorr in der Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen Ruhe und Entspannung sucht. Er lässt den Blick über die Kunstschätze schweifen und die „Seele baumeln“. Entspannung findet der Lichtenfelser aber keine. Stattdessen ereilt ihn ein Geistesblitz, der bald die Zukunft der Automobilindustrie weltweit revolutionieren könnte.

„Ich bin schon seit über 40 Jahren Konstrukteur und Erfinder“, erläutert der heute 64-Jährige. Viele seiner Maschinen für seine Pinselfabrik hat er selbst entworfen. Auch in der Automobilindustrie war er schon für Maschinen namhafter Hersteller Pate. „Seit vielen Jahren verfolge ich mit Interesse die Debatte um Elektro-Autos und die Forschung auf diesem Sektor“, fügt er an. Das, was er in den Medien und auf der „Ecartec“, der Messe für Elektromobile in München, zu lesen, zu hören und zu Gesicht bekam, befriedigte ihn allerdings wenig. „Ich merkte, dass die Hersteller aktuell auf dem Schlauch stehen. Sie haben sich viel zu sehr auf eine Idee fixiert. Auf die Idee, die Elektrofahrzeuge mit Akkumulatoren zu betreiben.“

Diese Akkus hätten einen entscheidenden Nachteil: „Sie sind erstens nicht effizient, zweitens elend schwer und drittens riesengroß, sollen sie wenigstens für eine Strecke von 100 Kilometern reichen“, stellt Charly Schorr heraus. „Die mangelnde Energiedichte ist ein riesiges Problem. Wenn man die Energiedichte von zehn Litern Sprit umsetzen will, benötigt man aktuell einen 100-Kilogramm-Akku.“ Und den immer wieder aufzuladen, kostet wertvolle Zeit. „Zeit, die der moderne Mensch eigentlich nicht wirklich hat“, fasst es Schorr in Worte. „Das ist meines Erachtens eine unüberwindbare Hürde.“

So hat sich der „Daniel Düsentrieb“ aus Lichtenfels mit Alternativen beschäftigt. Zunächst überlegte er, ob es mit Leitungssystemen gehen könne, auf die die E-Autos der Zukunft gleich einem Zug zugreifen könnten. Doch das verurteilte Schorr schnell als zu umständlich und das Stadtbild verschandelnd. „So musste ich weiter überlegen, wie ein Fahrzeug während der Fahrt mit Strom versorgt werden könnte“, erläutert er. Bis bei Charly Schorr an jenem Tag in Vierzehnheiligen „die Erleuchtung kam“.

„Ich kam auf die Idee, ein Stromnetz in die Straße zu integrieren, auf das das Auto dann während der Fahrt zugreift“, sagt der 64-Jährige. Allerdings wären Leitungen, die permanent unter Strom stehen, einfach viel zu gefährlich und für Fußgänger, Radfahrer oder jeglichen Vierbeiner ein tödliches Risiko. Charly Schorr dachte weiter und wurde fündig: Die Stromleitung muss in kurze Teilabschnitte unterteilt werden. Teilabschnitte, die das Auto beispielsweise mit den Technologien „Bluetooth“ oder „UMTS“ kurzzeitig freischalten könnte. „Immer nur der Bereich unter dem Auto steht dann unter Strom“, so der Erfinder. Mit einem Stromabnehmer ähnlich dem bei einer Spielzeug-Autorennbahn könnte dieses System versorgt werden.

Eine weitere Patentidee

Charly Schorr grübelte weiter. Er kam auf die Idee, sein mechanisches Stromzuführungssystem mit Hybridmotoren zu kombinieren. Eine weitere Patentidee war geboren. „Das hätte den Vorteil, dass die Autos trotz allem weiter unabhängig wären. So bräuchte nicht in jede Parklücke einer dieser Stromabschnitte gelegt werden“, begründet er. Auch auf Privatgrundstücken würde sich die Nachrüstung erübrigen. Darüber hinaus hätte der Staat Zeit, die Stromstränge nach und nach zu verlegen. Erst auf den Hauptrouten, dann auch Nebenstrecken. Eine passende Maschine für das Einbringen der Stromleitungen ist bereits erfunden. Von Charly Schorr.

Eine Fortentwicklung seines mechanischen Stromzuführungssystems ist eine Alternative mit elektromagnetischer, induktiver Stromübertragung. Dabei wäre eine Stromleitung verborgen in der Fahrbahn eingebracht. „Das ist vandalismussicher, wartungsarm und stellt keine optische Beeinträchtigung dar“, unterstreicht der „geistige Vater“. Auch die Witterung wäre kein Problem. Die Übertragung des Stroms würde, ganz vereinfacht ausgedrückt, vom Stromleiter zum -empfänger (am Auto) „über die Luft“ erfolgen.

Vorteil Energieeffizienz

„Elektromotoren haben einen klaren Vorteil: ihren Wirkungsgrad. Egal, ob Otto, Diesel oder Wankel, die Verbrennungsmotoren schaffen es auf maximal 30 Prozent. Der Rest der Energie verpufft ungenutzt als Abwärme“, stellt Schorr dar. „Bei Elektromotoren ist der Wirkungsgrad aktuell bei 95 Prozent.“ Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit spielen für den Lichtenfelser Erfinder eine gleichgroße Rolle. Er rechnet vor: „Aktuell kostet eine Kilowattstunde Strom, großzügig kalkuliert, 15 Cent. Ein Auto kommt nach ersten fundierten Berechnungen mit meinem System mit 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer Fahrtweg aus. Das wären dann rund drei Euro pro 100 Kilometer Wegstrecke.“ Eine Fahrt mit einem aktuellen Verbrennungsmotor kostet auf gleicher Strecke rund das Vierfache. Von der Endlichkeit fossiler Brennstoffe und den wohl noch weiter steigenden Preisen gar nicht zu sprechen.

Sechs Patente und sechs Gebrauchsmuster hat Charly Schorr mittlerweile beim Deutschen Patent- und Markenamt eingereicht. Ein bekannter Bayreuther Patentanwalt bescheinigt ihm große Chancen und prognostiziert bahnbrechende Erfolge. Über den bisherigen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg konnte Schorr Kontakte zu den Fraunhofer-Instituten Kassel und Karlsruhe knüpfen. Die dortigen Professoren nahmen seine Ideen kritisch in Augenschein. Ihr einstimmiges Urteil: Charly Schorr habe begeisternde und äußerst überzeugende Ideen.

Nun gilt es für den 64-Jährigen abzuwarten, bis das Patentamt nach eingehender Prüfung zur Patentveröffentlichung schreitet. Einen ersten Termin hat er schon genannt bekommen: Den 11. November 2010. Ein Gebrauchsmuster wurde bereits anerkannt. Europaweite und weltweite Patente sollen folgen. „Und ich habe noch einige Ideen in der Hinterhand“, gibt sich Schorr geheimnisvoll.


Unternehmer, Erfinder, „Tausendsassa”: Der Lichtenfelser Charly Schorr hat sechs Erfindungen zum Thema Elektroauto beim deutschen Patentamt angemeldet. Foto: mdr


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